Friedberg (Aichach-Friedberg) Zitieren

 

Erdteilallegorien an diesem Ort
Orts- und Gebäudegeschichte 

1264 Ersterwähnung Friedbergs
1404 Verleihung des Stadtrechtes
1496 Weihe des Chores und Aufstellung eines Gnadenbildes „Christus in der Rast“ durch den Augsburger Weihbischof Johannes Kerer
1599–1606 Erweiterung und Weihe der Kapelle unter Pfarrer Rottbauer und dem Friedburger Stadtrat
1606 Weihe der Kirche durch den Augsburger Weihbischof Sebastian Breuning
1616 Einrichtung des Benefiziat von St. Sebastian: Bestellung eines Kaplans von Unsers Herrn Ruhe als ständiger Wallfahrtspriester
1632 Einfall und großflächige Zerstörung der Stadt und der Wallfahrtskirche durch die Schweden im Dreißigjährigen Krieg (erneut 1646)
1636 Wiederaufbau der Wallfahrtskirche und Weihe durch den Augsburger Weihbischof Sebastian Müller
1705 Verwüstung der Kirche im Spanischen Erbfolgekrieg
1727 Bau eines eigenen Wallfahrtspriesterhauses als ständige Bleibe der Weltpriester; zur Finanzierung Einrichtung eines „geistlichen Bündnis unter dem Titel des bittern Leidens und Sterbens Jesu Christi und der sieben Schmerzen der allerseligen Mutter Gottes“, sogenannte Bruderschaft zum Dreifachen Liebesband
1728 Beginn des Abruchs des Vorgängerbaus
1731 Grundsteinlegung durch Kurfürst Karl Albrecht von Bayern
1731–1739 Neubau der Kirche unter dem Friedberger Stadtpfarrer Maximilian Franz Dominikus Eckher (Baumeister: Benedikt Ettl; Stuckateure: Franz Xaver d. Ä. und Johann Michael d. J. Feichtmayr; Maler: Cosmas Damian Asam); Chorweihe durch den Augsburger Bischof Joseph von Hessen
1733 Stiftung eines Benefiziats durch die Eheleute Neumayer
1749–1753 Wiederaufnahme des Baubetriebs unter ?? (Stuckateure: Franz Xaver d. Ä. und Johann Michael d. J. Feichtmayr; Maler: Matthäus Günther)
1753 Weihe durch den Augsburger Weihbischof Franz Xaver Adelmann von Adelmannsfelden und Übertragung des Gnadenbildes
1756 und 1758 Beschädigung der Kirche durch Stürme; in Folge dessen Einsturz des nördlichen Seitenschiffes
1764 bzw. 1772 Wiederherstellung sowie Ergänzungen im nördlichen Seitenschiff (Stuckateur: Simpert Feichmayr; Maler: Matthäus Günther)
1802 drohender Abriss der Wallfahrtskirche
1806 Abwendung des Abrisses durch Umwidmung als Friedhofskapelle
1867–1890 Umgestaltung der Kirche unter Wallfahrtsdirektor Alois Melcher
1937 Übernahme der Wallfahrtsbetreuung durch die Pallotiner
2002 275-jähriges Jubiläum der Bruderschaft zum Dreifachen Liebesband

Geschichte der Wallfahrt 

Der Bau der Kirche geht auf ein Gelöbnis eines Friedberger Bürgers bei heiler Rückkehr aus dem Heiligen Land zurück. Die Überlieferung berichtet, dass der besagte Bürger auf seiner Rückreise von den Türken gefangen genommen worden sei und diese ihn zu „harter Sklavenarbeit“ gezwungen hätten. In seinem Flehen um göttlichen Beistand schwor er, zum Dank eine Kapelle auf einem ihm gehörigen Acker mit einem Bildnis des leidenden Christus zu errichten. Nach glücklicher Rettung ließ er eine Kapelle nach dem Vorbild des Heiligen Grabes in Jerusalem erbauen.[1]

Die Kirche wurde zu einem beliebten Wallfahrtsort. Das Aufblühen dieser im 16. Jahrhundert veranlasste den Stadtrat zu einer Erweiterung des zu klein gewordenen Baus. In den folgenden beiden Jahrhunderten vermehrten Berichte über wundersame Ereignisse den Ruhm der Wallfahrtsstätte. Meist handelt es sich hierbei um Licht- oder Musikwunder. So am 6. Juli 1609 bei einer Wallfahrt der Äbtissin zu St. Stephan in Augsburg Maria Magdalena von Langenegg und der Äbtissin zu Edelstetten Anna Wertenstein wunderbare liebliche überirdische Musik erklungen oder am 24. September 1719 soll der aus München stammende Rats- und Handelsherr Anton Lechner auf seinem nächtlichen Ritt die Kapelle im nächtlichen Lichtglanz hell erstrahlt gesehen haben. Ein ähnliches Ereignis soll sich erneut ein Jahr später im Oktober 1720 ereignet haben.[2]

Gleich nach seinem Amtsantritt widmete der neue Stadtpfarrer Johann seine intensivsten Bemühungen dem Ausbau der Friedberger Wallfahrt, die unter seiner Obhut stand. 1727 ließ er ein Priesterhaus bauen, damit die Wallfahrt durch die Anwesenheit von acht Priestern ungehindert betreut werden konnte. Sein nächstes Projekt war die Neuausstattung der Kirche. Dienlich war ihm hierbei ein breites Netzwerk zu den wichtigsten Höfen und Klöstern Süddeutschlands. Insgesamt gelang es ihm, die gewaltige Summe von 40.000 Gulden zusammenzubringen. Großer Förderer war Karl III. Philipp von der Pfalz, der von einer gefährlichen Krankheit durch einen Besuch in Herrgottsruh genesen war. Und kein Geringerer als Kurfürst Karl Albrecht von Bayern legte nach erfolgreicher Spendensammlung am 16. Juni 1731 den Grundstein für die neue Kirche. Die Fertigstellung der Kirche 1753 sollte der Bauherr nicht mehr erleben. 

Die Wallfahrt, die seit 1770 ein Niedergang verzeichnete, endete endgültig mit dem Übergang der Hofmark an das Königreich Bayern. Pläne eines Abrisses der Kirche konnten durch die Umwidmung in eine Friedhofskirche 1806 vereitelt werden. Erst um 1830 belegen eine große Anzahl von Votivtafeln ein erneutes Aufblühen. Hundert Jahre später wurde die Seelsorge der Wallfahrt in die Hände der Gesellschaft vom Katholischen Apostolat, den Pallottinern, gelegt.[3]

Siehe auch den Wallfahrtsbericht von 1769 Wahrhafft Und Ausführlicher Bericht Von dem Ursprung u. Aufnahm Der Uhralten Wallfahrt Unsers Herrn Ruhe, Nechst Fridberg in Bayern: Wie auch Sehr andächtige Gebetter und Ubung der Reu und Leid [bg. von Google Books, online: http://books.google.at/books?id=mLdAAAAAcAAJ&dq=]

[1] Vgl. Steichele 4/1883, 106 Anm. 39; Dehio Schwaben 2008, 350; KF Friedberg 2008, 3.

[2] Vgl. Steichele 107 Anm. 42.

[3] Vgl. KF Friedberg 2998, 28.

Bibliografie 

Zuletzt aktualisiert am: 01.12.2015

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Forschungsplattform Erdteilallegorien im Barockzeitalter / Research Database Continent Allegories in the Baroque Age

Nirgendwo hat der Barock eine solche Dichte an Allegorien der vier Erdteile – Europa, Asien, Afrika und Amerika – hervorgebracht wie im Süden des Heiligen Römischen Reiches. In ihnen manifestieren sich die Vorstellungen des Barock von der Gestalt der Welt, ihrer politischen, sozialen und spirituellen Ordnung, vom Fremden wie vom Bekannten. Diese einzigartige Sammlung dokumentiert Darstellungen der vier Erdteile in Fresken, Stuck, Gemälden oder Skulpturen in ihren ursprünglichen Ausstattungskontexten. Baugeschichten sind ebenso erfasst wie Künstler und Auftraggeber.

Publikationen zum Projekt:

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Allegories of the four continents – Europe, Asia, Africa, and America – were an extremely popular iconographic motive during the baroque era. It was most prevalent in the Southern Parts of the Holy Roman Empire. These allegories express/manifest/carry the imagination/conception/vision of the baroque of the shape of the world, its political, social, and spiritual order as well as of foreign and familiar things. This unique collection documents depictions of four continents in frescoes, stucco, paintings or sculptures in their place of origin. The historical contextualization contains the building history as well as artists and principals.

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