Antonio Beduzzi Zitieren
* 1675, † 04. Mär 1735, Maler

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Kurzbiografie 

Antonio Beduzzi wurde 1675 in Bologna geboren. Er bekam seine Ausbildung zum Maler und Stuckateur in der Werkstatt des Bologneser Künstlers Gian Gioseffo Dal Sole (1654–1719). Ob er in Italien arbeitete, bevor er im Alter von 24 Jahren nach Wien kam, ist bislang nicht bekannt. Allerdings ist dies wahrscheinlich, da er als Mitglied der Accademia Clementina zu Bologna geführt wurde. Georg Rizzi ist der Meinung, dass Beduzzi hier als Quadraturist ausgebildet wurde.[1] Er verblieb in Wien bis zu seinem Tod am 3. April 1735. Am 3. Mai 1707 vermerkt das Wiener Diarium die Hochzeit von „Herr Anton Maria Niclas Beduzzi, Röm. Kayserl. Majest. Ingenieur, mit Jungfrau Desiderie Johanna Zianin“. [2]

Beduzzi war nicht nur Maler, sondern auch Architekt und Theateringenieur und entwarf mehrere Pläne für Paläste und ähnliche Bauten. Georg Rizzi merkt aber an, dass Beduzzi besser für die Innenausstattungen eines Gebäudes geeignet war, weil er dort die gesamte Bandbreite seines Könnens wirksam zum Einsatz bringen konnte. [3] Er starb 1735 in Wien nach einem langen und beschäftigungsreichen Leben. Bereits 1708 bezeichnete ihn sein Künstlerkollege Martino Altomonte (1657–1745) als einen der bedeutendsten Freskanten seiner Zeit.[4]

Seine erste mit ihm in Verbindung gebrachte Arbeit ist der Gartensaal des Wiener Palais Czernin in Wien-Leopoldstadt aus dem Jahr 1696. Er erhielt, gemeinsam mit Domenico Egidio Rossi (1659–1715, Architekt und Baumeister), den Auftrag, den Gartensaal zu freskieren. Er wurde nur als Figurist unter Vertrag genommen. Als sich aber herausstellte, dass Rossi die Arbeiten nicht beenden konnte, wurde ihm auch die Architekturmalerei übertragen.[5]

Eindruck erzielte er mit seiner Arbeit beim Bau des Stifts Melk. Dort malte er 1703 die Fresken für die Sommersakristei[6] und führte später eines seiner wichtigsten Projekte aus. Ein Vertrag vom 17. Mai 1711 belegt, dass sich Beduzzi verpflichtete, innerhalb von vier Monaten Risszeichnungen für den Hochaltar und die großen Querarmaltäre zu liefern.[7] Die Arbeit wurde von Abt Berthold Dietmayr (reg. 1700–1739) angeordnet.[8] Beduzzi fertigte mehrere Skizzen an. [9] Zwei Entwürfe gibt es für den Hochaltar und vier für die Fresken (einen für die Pendentifzone, zwei für die Deckenfresken und einen für das Kuppelfresko). Johann Michael Rottmayr (1654–1730, auch als Rottmayr bekannt) führte die Arbeit für die Decken und Kuppelfresken aus, wobei er sich „teils eng, teils weniger eng von Entwurfszeichnungen Beduzzis abhängig (war).“[10]  Wie Rizzi beschreibt, war die endgültige Erscheinung der Fresken „das Ergebnis einer dialektischen Auseinandersetzung zwischen (…) Rottmayer und Beduzzi“.[11] Beduzzi stellte auch zwei Holzmodelle für die Oratorien und einen weiteren Riss bereit. Diese wurden 1724/25 vollendet. Er lieferte 1722 ein Modell für den Hochaltar, dieses ist aber die letzte bekannte Überlieferung für Beduzzis Beteiligung an der Gestaltung der Stiftskirche. Rizzi vermutet, dass er wegen seiner Beteiligung an mehreren Projekten in Wien sowie in Mähren und Salzburg ausgeschieden war.[12]

Immer wieder brachten ihn Aufträge mit dem sieben Jahre älteren Architekten Johann Lucas Hildebrandt (1668–1745) zusammen. Ihre (vermutlich) erste Zusammenarbeit war die Innenausstattung des Czernin’schen Gartenpalais.[13] Georg Rizzi merkte eine große Ähnlichkeit zwischen ihren Arbeitsstilen an. Ein Beispiel ist der Entwurf für ein Prunktreppenhaus, das Beduzzi anfertigte und zahlreiche stilistische Ähnlichkeiten mit Hildebrandt zeigt. Das Gleiche gilt für den Plan des Palais Hatzenberg-Fürstenberg, den Beduzzi 1702 vollendete.[14] Die Skizzen für den Palast sind jetzt in der Mährischen Galerie in Brno zu finden, aber sie zeigen in ihrer Vorliebe für die Nutzung der Wand als optischer Fläche und in der plastischen Dekoration eine starke Anlehnung an Hildebrandt.[15] Die Sockelzone gleicht stark der Sockelzone des Palais Daun, das von Hildebrandt vollendet wurde.[16]

Auch die Innenausstattung der Peterskirche in Wien, die Hildebrandt baute, wurde wahrscheinlich von Beduzzi gemacht. Beduzzi fertigte eine Skizze für die Innenausstattung an, von der nur eine datierte Kopie erhalten geblieben ist. Aber Rizzi vermutet, basierend auf der Ähnlichkeit zwischen der Kopie und den Fresken im Kircheninneren, dass Hildebrandt seinen Einfluss geltend machte, um Beduzzi als Maler zu gewinnen.[17] Andere Skizzen von Beduzzis Arbeit sind im Planschatz Allois im Stiftsarchiv Klosterneuburg zu finden.[18]

In der Ausarbeitung ihrer Projekte teilten Hildebrandt und Beduzzi oft auch die Auftraggeber. Sie hatten beide für Graf Wirich Phillipp von Daun (1669–1741) und Graf Johann Julius IV. von Hardegg (1676–1746) bei verschiedenen Projekten gearbeitet. Sie wirkten zusammen in Salzburg 1710 bei dem Bau der Residenz des Salzburger Erzbischofs Franz Anton Harrach (reg. 1709–1727), wo Beduzzi für die Innenausstattung verantwortlich war, während Hildebrandt die Oberaufsicht über den Ausbau hatte.[19] Für Franz Anton Harrach war Beduzzi öfters in Salzburg tätig. Er baute den Hochaltar in der Kirche Maria Bühel bei Oberndorf bei Salzburg (1722) sowie den Hochaltar der Hauskapelle im Schloss Mirabell um 1725. Dies war ebenfalls eine gemeinsame Arbeit mit  Hildebrandt.[20]

Beduzzi hatte aber auch andere wichtige Auftraggeber, und so war er 1717 unter Prinz Anton Florian von Liechtenstein (1656–1721) tätig. Hier trug er die Verantwortung für die Innen- und Außenausstattung sowie für die Fresken des Schlosses Hetzendorf.[21] Für den Prinz von Liechtenstein hatte er auch mehrere wichtige Aufträge außerhalb des heutigen Österreich erfüllt. So baute er mehrere Gebäude wieder auf, zum Beispiel Schloss Feldsberg (jetzt Valtice, Mähren, um 1724), Neuschloss in Littau (1731–1733) sowie mehrere Kirchen auf den Gütern des Prinzen (etwa Mährisch Trübau, jetzt Moravská Třebová, 1730, Aussee 1733, Kosteletz, jetzt Kostelec, 1734 und Lundenburg, jetzt Břeclav, 1734). Die Kirchen bestehen hauptsächlich aus einfachen geometrischen Bausteinen mit reichen dekorativen Details. Ihre Innenräume sind aber sehr opulent und enthüllen den vollen Ausdruck der Talente, die er aus seiner Erfahrung als Bühnenbildner erworben hatte.[22]

Innerhalb des heutigen Österreichs gehören die Fresken für die Kuppel und das Langhaus der Wallfahrtskirche Maria Taferl in Niederösterreich zu seinen späteren wichtigen Werken. Ein undatierter Vertrag für die Fresken in der Wallfahrtskirche wurde zwischen den Auftraggebern, Beduzzi und anderen Malern geschlossen. Der Vertrag wurde allerdings nur von den anderen Malern unterschrieben. Die Kirchenrechnungen zeigen, dass die Arbeiten 1718 beendet waren. Der Grund, warum Beduzzis Name nicht auf dem Vertrag steht, könnte darauf zurückzuführen sein, dass Beduzzi das Programm entwarf, während seine Mitarbeiter die Malarbeiten erledigten.[23]

Andere wichtige Arbeiten Beduzzis in seiner Tätigkeit als Maler und Architekt waren die Fresken für den Palais Engelskirchner auf der Wieden (1710) sowie das Neuwallʼsche Haus am Schulhof (Wien), wo er die Pläne für den Portaltypus mit Atlanten auf Säulenstümpfen machte (1728). Die Arbeit wurde aber wahrscheinlich von einem Schüler Beduzzis ausgeführt.[24]

Seit 1708 stand er auch als Theateringenieur in kaiserlichen Diensten. Zwischen 1708 und 1710 war er für die Bühnenausstattungen im Hoftheater zuständig. In dieser Tätigkeit entwarf er die Pläne für ein Theater neben dem Kärntnertor. Er bekam den Auftrag von der Stadt Wien 1708. Dieses Theater wurde 1710 fertiggestellt. Skizzen von Beduzzi für dieses Vorhaben sind in der Sammlung Grimm in der Mährischen Galerie Brno sowie in den Sammlungen von Schloss Rajec nad Svitavou (beide in der Tschechischen Republik) zu finden.[25] Die Skizzen zeigen einen Grundriss des „kaiserlichen Kömodienhauses“ mit U-förmigem Zuschauerraum, Hinterbühne und einem weiteren Raum sowie eine Sicht auf die Bühne, eine Studie des Portals und einen Grundriss der Eingangshalle. Rizzi vermutet, dass Beduzzi nur für die Innenausstattung verantwortlich war, während der Bau von einem anderen kaiserlichen Architekten betreut wurde.[26] Die Ironie an der Sache ist, dass wir wenig über seine Tätigkeiten als Hofingenieur wissen, einzig der Auftrag der Stadt Wien für das Theater neben dem Kärntnertor ist erhalten.

Beduzzi blieb als kaiserlicher Hofingenieur bis zu seinem Ausscheiden aus dem Dienst im Jahr 1710 tätig. Rizzi ist aber der Meinung, dass Beduzzi als Hofingenieur für die Kaiserinwitwe Amalia Wilhelmine (1673–1742) bis zu seinem Tod tätig war. Ein Brief bleibt erhalten, der eben Antonio Beduzzis Sohn Carl J. Beduzzi als ihren Hofingenieur nennt.[27]

[1] W.G. Rizzi, Antonio Beduzzi und die bolognesische Dekoration. Seite 55.

[2] Eintrag über Antonio Beduzzi in Artisti Italiani Austria.

[3] Rizzi, Antonio Beduzzi und die bolognesische Dekoration, 1986. Seite 60.

[4] Ibid, Seite 59.

[5] K. Labuda, Die barocke Ausstattung der Wallfahtrskirche Maria Taferl.  Seite 39.

[6] E. Hubala, Beduzzi und Rottmayr in Melk. Seite 298.

[7] W.G Rizzi und Bernd Euler, Zur Bau und Ausstattungsgeschichte der Melker Stiftskirche. Seite 447

[8] Rizzi und Euler. Seite 450

[9] Hubala. Seite 298

[10] Rizzi, und Euler. Seite 448.

[11] Ibid. Seite 448.

[12] Rizzi und Hubale. Seite 448

[13] W.G. Rizzi, Antonio Beduzzi und Johann Lucas von Hildebrant. Seite 36.

[14] Rizzi, Beduzzi und die bolognesische Dekoration. Seite 57.

[15] Ibid.

[16] W.G. Rizzi, Antonio Beduzzi und Johann Lucas von Hildebrant. Seite 38

[17] Ibid., Seite 45.

[18] Ibid., Seite 60.

[19] Ibid., Seite 41.

[20] Ibid., Seite 43.

[21] W. G. Rizzi: Zur Baugeschichte des Schlosses Hetzendorf. Seite 69

[22] Eintrag über Antonio Beduzzi in Artisti Italiani Austria.

[23] Ibid.

[24] Rizzi, Beduzzi und die bolognesische Dekoration. Seite 57.

[25] W.G Rizzi, Ein Theaterprojekt für den Kaiserlichen Hof. Seite 390.

[26] Ibid., Seite 397.

[27] Ibid., Seite 398.

Bibliografie 

Zuletzt aktualisiert am: 28.02.2016

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Forschungsplattform Erdteilallegorien im Barockzeitalter / Research database Continent Allegories in the Baroque Age

Nirgendwo hat der Barock eine solche Dichte an Allegorien der vier Erdteile – Europa, Asien, Afrika und Amerika – hervorgebracht wie im Süden des Heiligen Römischen Reiches. In ihnen manifestieren sich die Vorstellungen des Barock von der Gestalt der Welt, ihrer politischen, sozialen und spirituellen Ordnung, vom Fremden wie vom Bekannten. Diese einzigartige Sammlung dokumentiert Darstellungen der vier Erdteile in Fresken, Stuck, Gemälden oder Skulpturen in ihren ursprünglichen Ausstattungskontexten. Baugeschichten sind ebenso erfasst wie Künstler, Auftraggeber und Werkverzeichnisse.

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Allegories of the four continents – Europe, Asia, Africa, and America – were an extremely popular iconographic motive during the baroque era. It was most prevalent in the Southern Parts of the Holy Roman Empire. These allegories express/manifest/carry the imagination/conception/vision of the baroque of the shape of the world, its political, social, and spiritual order as well as of foreign and familiar things. This unique collection documents depictions of four continents in frescoes, stucco, paintings or sculptures in their place of origin. The historical contextualization contains the building history as well as artists, principals, and catalogues raisonnés.

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