Franz Anton Erler Zitieren
* 1700, † 16. Feb 1745, Maler

Kurzbiografie 

Franz Anton Erler (*1700 Eglofs[1]) findet sich erstmals 1718 als Geselle Franz Josephs Spiegler in Wolfegg[2] und zwei Jahre später als Geselle des Ottobeurer Malers Arbogast Thalheimer. Von diesem Zeitpunkt bis zu seinem Tod am 16. Februar 1745 hat er seinen Lebensmittelpunkt in Ottobeuren, wo er sich dreimal verheiratete, Mitglied in verschiedenen Bruderschaften und Besitzer und Betreiber eines Gasthauses war und er vor allem innerhalb verschiedenster Werke Spuren seiner Kunstfertigkeit hinterlassen hat.[3] Sein Werdegang vor seiner Wolfegger Zeit liegt im Dunkeln. Ein Vermerk, den Abt Rupert anlässlich der Beurteilung des von Erler 1728 ausgeführten Kuppelfreskos im nördlichen Treppenhaus der Winterabtei gemacht hatte – „2 Jahr in Italien practicirt“ – wurde von der Forschung unterschiedlich in Erlers Leben eingeordnet. Während Norbert Lieb 1931 den Italienaufenthalt unmittelbar vor Ottobeuren vermutete,[4] was allerdings mit Sabine Neuberts Fund in Wolfegg kollidiert,[5] schätzen Matthias Kunze und die Autoren der Bildwelt Ottobeurens (2/2014, 242) die Bemerkung des Abtes rezenter ein, indem sie den Aufenthalt Erlers zwischen 1724 und 1727 ansetzen.[6] Diese Datierung ist vor dem Hintergrund plausibel, dass Erler erstens seit seiner Verheiratung 1721 bis 1724 jedes Jahr und dann erst wieder am 20. August 1727 Vater einer Tochter geworden war[7]  und zweitens für Erler keinerlei Werke in diesem Zeitraum dokumentiert sind. In Ottobeuren schloss er sein letztes Werk 1724 ab und malte im August 1727 die nördlichen Galeriezimmer aus.[8] Drittens steht er im Abtei-Treppenhaus dem Neapolitaner Francesco Solimena eindeutig näher als dem ebenfalls in Ottobeuren tätigen Venezianer Jacopo Amigoni[9], indem er Einzelfiguren aus Solimenas Ausmalung der Sakristei von S. Paolo Maggiore in Neapel kopierte; was wiederum für einen Aufenthalt in Neapel und Rom spräche. Dies wiederum wiederspricht einer „Schülerschaft“ Erlers bei Amigoni, von der die Forschung bereits seit dem 18. Jahrhundert ausgeht. [10] Stattdessen ist eine Zusammenarbeit mit dem Münchner Hofmaler ab Herbst 1728 auszugehen, da „der stilistische Einfluss Amigonis“, so die Autoren der Bildwelt Ottobeuren, „erstmals im Gang der Winterabtei und in den Kreuzwegstationen der Abtskapelle zu erkennen [ist]. In allen späteren Malereien kann Erler geradezu als Nachahmer Amigonis gesehen werden.“[11] Quasi sein in Italien erworbenes Verständnis der italienischen Malerei qualifizierte ihn nicht nur als Ersatz für Amigioni einzuspringen, sondern auch für eine spätere Zusammenarbeit mit Amigoni. Nichtsdestotrotz war Abt Rupert II. mit dem Ergebnis nicht ganz zufrieden. So schreibt er am 20. Juni 1728 in sein Tagebuch:

„Ein allhiesiger Maler Antonj Erler hat die Cupula ob der Stiege gemahlt, so ihme nit gern anvertrauen wollen, ohneracht er 2 Jahr in Italien practicirt, doch auf seine Instanz [Ansuchen], daß er ein occasion [Gelegenheit] habe sich zu zeigen, hab es geschehen lassen, was werde heraus kommen, wirdt das Werckh zeigen, und iudicia [Urteile] der Künstler, so darüber kommen werden. Ich habe vor mein Opinion dise Cupula vor passabel angesehen, doch hat es mich gereüt, daß ich solche nit von Sgre Amiconj habe mahlen lassen, so die Capell, Vorfletz und underen Chor gemacht, als welches alles eine rare künstliche Mahlerey, allein ware H. Amiconj in München, und dieser Erler sasse mir vor der Thür; und hat solches extorquirt [mir abgerungen].“[12] 

Anders als Thalheimers Werk im Stiegenhaus entschied sich der Abt wohl dagegen, es durch J. Amigoni übermalen zu lassen, der nur ein paar Monate später erneut nach Ottobeuren kam, um dort die sogenannten Amigoni-Zimmer sowie den Vorplatz auszumalen. Über das Verhältnis der beiden einheimischen Maler Erler und Thalmeier ist nichts Genaueres bekannt, außer, dass das anfängliche Meister-Gesellen Verhältnis nicht unter einem guten Stern stand. Thalheimer führte bereits am 6. Mai 1720 – wie ein Verhörprotokoll im Amtsgericht Ottobeuren belegt – Klage wegen Beleidigung gegen den „Malergesellen Anton Ehrler von Egloff“[13]. Später konkurrierten sie nicht nur mit den „auswärtigen“ Malern[14], sondern auch gegeneinander.[15]

Letztlich führte Erler noch bis zu seinem Tod 1745 zwar hauptsächlich Werke für Ottobeuren aus, aber auch in Irsee, Osterzell, Wolfegg und Kißlegg hinterließ er eindrucksvolle Arbeiten.

[1] Dieses befand sich unter der Gerichtsbarkeit Ottobeurens.

[2] In den Rechnungsbüchern der Grafschaft Wolfegg wird 1718 im Zusammenhang mit F. J. Spiegler „sein Jung Antone Erler“ erwähnt. Vgl. Neubert Spiegler 2007, 90.

[3] vgl. Lieb Erler 1931,

[4] vgl. Lieb Erler 1931,

[5] siehe Anm. 2

[6] vgl. AKL XXXIV, 2002, 399 (M. Kunze); Bildwelt Ottobeuren 2/2014, 242.

[7] Am 17. Juni 1721 Verlobung mit Maria Franziska Gaißmayrin in Ottobeuren und Juli Hochzeit. Es folgten Kinder Franz Anton 1723, Tochter 1724, Tochter am 1727 sowie weitere Kinder mit drei verschiedenen Ehefrauen. Die Autoren der Bildwelt Ottobeuren schreiben dass die Tochter nicht am 20. sondern 12. August geboren sei. Vgl. Bildwelt Ottobeuren 2/2014, 242.

[8] vgl. Bildwelt Ottobeuren 2/2014, 322 und 339–345. Abt Rupert II. hielt am 20. Oktober 1727 in seinem Diarium Folgendes zum Arbeitsverlauf fest: „Die Mahler thun zerschidene Zimmerdeckhen ausmahlen, und hat der Erler schon 4 Zimmerl von der Bibliothec an ausgemahlt.“ (zitiert nach: ebenda, 339). Lediglich seine Frau wird in Ottobeuren im Zusammenhang mit einem Darlehen erwähnt. Vgl. Lieb Erler 1931, .

[9] Eine Italienreise als Begleiter Amigonis, wie dies M. Kunze in seinem AKL Eintrag annimmt, ist auszuschließen, da Amigoni zu dieser Zeit den süddeutschen Raum nicht verlassen hatte. Vgl. AKL XXXIV, 2002, 399.

[10] vgl. Feyerabend III 1815, 667, Holler 1986, 125f; Neubert 2007, 90.

[11] Bildwelt Ottobeuren 2/2014, 242. – Hierdurch widersprechen die Autoren auch der angenommenen Zusammenarbeit Amigonis und Erlers in der Ausmalung der Benediktus- und Abtskapelle durch J. Amigoni 1725 (vgl. AKL XXXIV, 2002, 399). Was wiederum auch mit dem angenommenen Italienaufenthalt Erlers kollidieren würde. Vgl. Bildwelt Ottobeuren 1/2014, 198-235.

[12] Zitiert nach: Bildwelt Ottobeuren 2/2014, 238.

[13] Registratur des Amtsgerichts Ottobeuren, 1719/1723 Blatt 100, zitiert nach: Lieb Erler 1931,

[14] Neben den genannten hinterließen in Ottobeuren auch der junge Franz Georg Hermann (1692-1768) und Hieronymus Hau (*1679) aus Kempten sowie der Venezianer Jacopo Amigoni (~1675-1752) Werke. Vgl. ausführliche Vorstellung der in Ottobeuren tätigen Künstler Dischinger Ottobeuren 1/2011, 249-

[15] Übersicht über die verantwortlichen Künstler in Ottobeuren von 1712–1768. Erler löste Thalheimer als primärer Hausmaler ab. Nach 1728 wird ausschließlich Erler als Maler beauftragt. Vgl. Bildwelt Ottobeuren 1/2014, XL-XLII.   

Bibliografie 

Zuletzt aktualisiert am: 24.02.2016

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Forschungsplattform Erdteilallegorien im Barockzeitalter / Research database Continent Allegories in the Baroque Age

Nirgendwo hat der Barock eine solche Dichte an Allegorien der vier Erdteile – Europa, Asien, Afrika und Amerika – hervorgebracht wie im Süden des Heiligen Römischen Reiches. In ihnen manifestieren sich die Vorstellungen des Barock von der Gestalt der Welt, ihrer politischen, sozialen und spirituellen Ordnung, vom Fremden wie vom Bekannten. Diese einzigartige Sammlung dokumentiert Darstellungen der vier Erdteile in Fresken, Stuck, Gemälden oder Skulpturen in ihren ursprünglichen Ausstattungskontexten. Baugeschichten sind ebenso erfasst wie Künstler und Auftraggeber.

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Allegories of the four continents – Europe, Asia, Africa, and America – were an extremely popular iconographic motive during the baroque era. It was most prevalent in the Southern Parts of the Holy Roman Empire. These allegories express/manifest/carry the imagination/conception/vision of the baroque of the shape of the world, its political, social, and spiritual order as well as of foreign and familiar things. This unique collection documents depictions of four continents in frescoes, stucco, paintings or sculptures in their place of origin. The historical contextualization contains the building history as well as artists and principals.

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