Franz Anton Weiß Zitieren
* 08. Sep 1729, † 03. Jul 1784, Maler

Künstler von
Kurzbiografie 

Franz Anton Weiß ist der Stammvater einer über vier Generationen andauernden Künstlertradition innerhalb der Allgäuer Familie Weiß. Er wurde am 8. September 1729 im Haus (Burgberger Straße 5) gegenüber der Pfarrkirche St. Stephan in Rettenberg geboren, das er 1755 erwarb und zeitlebens bewohnte.[1] Sein Vater Bartholomäus Weiß (1697–1748) übte das Färberhandwerk aus.[2] Seine Ausbildung soll er anfänglich in Pfronten bei dem Maler Bartholomäus Stapf (1704–1766) erhalten haben.[3] Während seiner Wanderjahre arbeitete er als Geselle des Reuttner Malers Balthasar Riepp (1703–1764)[4]. Über diese Lehrzeit vermerkt Franz Antons Sohn Nikolaus (1760–1809) in der von ihm 1790 verfassten Kurzbiografie: „von diesem lernt er viel und von dort an nahm er zu in der Kunst“[5].

Der genaue Zeitpunkt seines Eintritts in Riepps Werkstatt sowie Dauer sind unklar, aber spätestens mit dessen Auftrag der Ausmalung der Wallfahrtskirche St. Jakobus d. Ä. und Laurentius in Biberbach ist ein solche allerdings anzunehmen. Als Beleg für die Biberbacher Tätigkeit 1753 gilt die Übernahme des „Rieppschen Gesims“ zur Aufnahme der Bildunterschrift im Chorfresko der Wallfahrtskirche Maria Rein, in der Weiß 1767 selbstständig arbeitete.[6]

Sowohl bei Stapf, der an der Wiener Akademie ausgebildet wurde und von 1728 bis 1730 im Rheinland tätig war,[7] als auch bei Riepp, der unter anderem in Rom während der 1720er-Jahre studierte,[8] kam er mit zahlreichen Kopien von Werken niederländischer, italienischer wie auch deutscher Künstler in Kontakt. Dies belegt etwa ein im Augsburger Privatbesitz befindliches kleines Skizzenbuch von Franz Anton Weiß, in dem dieser nicht nur zahlreiche Werke berühmter Meister kopiert hatte, sondern auch eigene Entwürfe notierte.[9] Als terminus ante quem seiner Gesellentätigkeit können seine ersten selbstständigen Aufträge in der Petersthaler Kirche St. Peter und Paul (1755) und im Anschluss daran in der Wallfahrtskirche Maria Trost in Nesselwang (1756–1759) gelten. Zuvor ist er überwiegend als Leinwandmaler tätig.[10]

1755 ist auch das Jahr seiner Eheschließung mit der Bühler Bäckerstochter Christina Prestel. Vier seiner 15 Kinder folgten seinen Fußstapfen, indem sie der Vater zur fundierten Ausbildung an die Augsburger Akademie schickte.[11] Sein Tätigkeitsfeld beschränkte sich weitestgehend auf die weitere Rettenberger Umgebung. Insgesamt sind von ihm 14 Ausstattungsprogramme bekannt, von denen ihm allerdings zwei zugeschrieben werden.[12] Die Ikonografie der Erdteile verwendete er insgesamt dreimal: 1756 in der Wallfahrtskirche Maria Trost in Nesselwang, 1770 in der kleinen Dorfkapelle Mariä Opferung in Kranzegg und 1781 in der Jungholzer Pfarrkirche Unserer Lieben Frau Mariae Namen. Seine letzten Arbeiten als Freskant führte er auf eidgenössischem Gebiet aus: 1782 das Chorfresko in der Kapuzinerinnenklosterkirche Maria der Engel bei Wattwill (SG) und von 1782 bis 1784 gemeinsam mit seinem ältesten Sohn Dionys Roman Weiß (1758–1808) die Fresken der Benediktinerklosterkirche St. Gallenberg in Glattburg.[13]

Der Tod ereilte ihn – den „pictor egregius“[14] von Rettenberg – im Jahr der Fertigstellung des Glattburger Arbeit am 3. Juli 1784. Dieser verhinderte wohl auch, dass er selber die Erdteilallegorien in der Pfarrkirche St. Blasius in Vorderberg ausführte, für die er bereits 1778 und 1783 zwei Seitenaltar- und das Hochaltarbild gemalt hatte. Sein ältester Sohn übernahm anstelle des Vaters den Auftrag und folgte in der Komposition dem 1764 von diesem ausgeführten Langhausfresko der kleinen Kapelle St. Sebastian in Wertach.

[1] Vgl. Le Maire Gefolge 2005, 40.

[2] Vgl. Hindelang 1996, 320.

[3] Vgl. Schröppel 1981, 4; Le Maire 2005, 40. Laut Bertold Pölcher wohnte die Künstlerfamilie Stapf in Pfronten in Hausnummer 414 (Oberweg 5). vgl. Pölcher 2003

[4] Ein paar Jahre nach dem Biberacher Auftrag übersiedelte Riepp in das nahegelegene Vils (Tirol).

[5] Sebald 1997, 27.

[6] Vgl. Mair 1998, 333, 60.

[7] Vgl. Ringler 1961, 362; Schröppel 1981, 4; Zinnecker 1999, 97.

[8] Vgl. Mair 1998, 321.

[9] Vgl. ThB 1942, 321; Hindelang 1996, 320; Sebald 1997. Die Verherrlichung Mariens durch die vier Erdteilallegorien im Chor der Jungholzer Pfarrkirche sind eine Kopie eines Thesenblattes, das 1723 im Zuge der Vollendung des Eichstätter Hochaltarbildes mit der Rosenkranzspende an die Heiligen Dominikus und Katharina von Siena verehrt von den vier Erdteilen von Johann Georg Bergmüller (1688–1762) entstanden ist. Für eine Abb. s. Epple/Strasser 2012, 101 Gv 71 und 254 Gv 346. 

[10] So malte er Anfang der 1750er-Jahre Altarblätter für die Pfarrkirchen Hl. Dreifaltigkeit in Sulzburg, Unsere Liebe Frau in Bad Oberdorf sowie der 1754 neu errichteten Kapelle St. Antonius von Padua und Wendelin in Faistenoy.

[11] Vgl. Gohl 2004, 13; le Maire Tafelbild 2005b, 40. Dionys Roman Weiß (1758–1808), Nikolaus Weiß (1760–1809), Ludwig Weiß (1768–1843) und Johannes Weiß (1738–1776) sowie deren Kinder betätigten sich erfolgreich im Kunsthandwerk. Ab und an gehen größere Teile von Ausstattungsprogrammen in der Rettenberger Umgebung auf die Künstlerfamilie Weiß zurück wie beispielsweise in St. Blasius in Vorderburg oder auch St. Stephan in Rettenberg.

[12] Vgl. Dehio II/1997. Bei den zugeschriebenen Werken handelt es sich um die Ausstattungen der Pfarrkirche St. Ulrich in Burgberg (Lkr Oberallgäu) von 1760 und der Frauenkapelle in Sonthofen (Lkr. Oberallgäu) von 1765/66. 

[13] Vgl. KF-CH 1/2005, 384, 420.

[14] Gohl 2004, 13.

Bibliografie 

Zuletzt aktualisiert am: 25.03.2016

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Forschungsplattform Erdteilallegorien im Barockzeitalter / Research database Continent Allegories in the Baroque Age

Nirgendwo hat der Barock eine solche Dichte an Allegorien der vier Erdteile – Europa, Asien, Afrika und Amerika – hervorgebracht wie im Süden des Heiligen Römischen Reiches. In ihnen manifestieren sich die Vorstellungen des Barock von der Gestalt der Welt, ihrer politischen, sozialen und spirituellen Ordnung, vom Fremden wie vom Bekannten. Diese einzigartige Sammlung dokumentiert Darstellungen der vier Erdteile in Fresken, Stuck, Gemälden oder Skulpturen in ihren ursprünglichen Ausstattungskontexten. Baugeschichten sind ebenso erfasst wie Künstler und Auftraggeber.

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Allegories of the four continents – Europe, Asia, Africa, and America – were an extremely popular iconographic motive during the baroque era. It was most prevalent in the Southern Parts of the Holy Roman Empire. These allegories express/manifest/carry the imagination/conception/vision of the baroque of the shape of the world, its political, social, and spiritual order as well as of foreign and familiar things. This unique collection documents depictions of four continents in frescoes, stucco, paintings or sculptures in their place of origin. The historical contextualization contains the building history as well as artists and principals.

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