Das Projekt

 

Die Datenbank „Erdteilallegorien im Barockzeitalter im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation (Süddeutschland, deutschsprachige österreichische Erblande)“ entstand über einen Zeitraum von vier Jahren (2012–2015) im Rahmen des Projekts „Diskurs- und kunstgeschichtliche Untersuchung von Erdteilallegorien“ [FWF P23980] an der Universität Wien, Historisch-kulturwissenschaftliche Fakultät, Institut für Geschichte.

  • Projektziel
  • Grundsätzliches zur Datenbank
  • Untersuchungszeitraum
  • Untersuchungsgebiet
  • Einschränkungskriterium
  • Erfassung
 

PROJEKTZIEL

Untersuchungsgegenstand dieses Projektes sind Erdteilallegorien auf räumlich verankerten Bildträgern innerhalb von Klöstern, Schlössern, Kirchen / Dorfkirchen, Gärten, Bürgerhäusern und auch auf öffentlichen Plätzen. Die umfangreiche Datenerhebung des Projektteams hat insgesamt 407 Erdteilallegorien im Süden des Heiligen Römischen Reiches zutage gebracht. Erdteilallegorien gibt es natürlich auch anderswo, aber nicht in dieser großen Zahl und Dichte und auch nicht verteilt über ein derart großes räumliches und soziales Spektrum. Daraus wie aus einem Resümee der bisherigen, überwiegend kunsthistorischen Forschung lässt sich feststellen, dass Erdteilallegorien ein weitaus höherer Quellenwert beigemessen werden kann als bislang angenommen. Ertrag verspricht dabei vor allem eine diskursanalytische Herangehensweise, wie sie die historische Europaforschung seit gut einem Jahrzehnt vorschlägt. Bildliche Diskurse sind unter bestimmten Voraussetzungen angetan, breitere Teile der Gesellschaft zu erreichen, als reine Wort- oder Textdiskurse beziehungsweise hochaufgeladene Kunstprodukte, die nur einem sehr engen Kreis zugänglich und verständlich sind. Erdteilallegorien finden wir an Orten, die, getrennt oder gemeinsam (wie gerade in Kirchen), ganz verschiedenen Gesellschaftsgruppen zugänglich und, wie zu zeigen sein wird, verständlich waren. Die Ikonografie der Erdteile, anders als andere Allegorien, erlaubt es auch dem Künstler, mit “exotischen” und fremdländischen Versatzstücken an Orten außerhalb des profanen Bereichs wie beispielsweise in Dorfkirchen zu spielen. Hierdurch werden sie zum Medium von zusätzlichen, von der originär allegorischen Botschaft unabhängigen geografischen, völkerkundlichen oder botanischen Informationen.

Darüber hinaus erlaubt die Ikonografie aufgrund ihrer offenbaren Popularität und ihrer breiten sozialen Verfügbarkeit unterschiedlichste komparatistische und diskursanalytische Zugänge: (kunst-)geschichtlich (ikonografisch-ikonologisch, rezeptionsästhetisch, formalanalytisch/formgeschichtlich, sozialgeschichtlich, hermeneutisch, kulturhistorisch, identitätsgeschichtlich, wissenspopularisierend), ethnologisch, anthropologisch etc.

Voraussetzung für weiterführende wissenschaftliche Forschung ist eine systematische Erfassung sowie detaillierte Aufbereitung der Erdteilallegorien im Hinblick auf eine Vielfalt von Zugängen durch unterschiedliche Disziplinen. 

 

GRUNDSÄTZLICHES ZUR DATENBANK

Die Datenbank ist dem Prinzip des Open Access verpflichtet und nicht kommerziell ausgelegt. Die Nutzung der Datenbank unterliegt den unter dem Menüpunkt „Nutzungsbedingungen“ genannten Bedingungen und resultiert in den unter Menüpunkt „Datenschutzerklärung“ erhobenen personenbezogenen Userdaten. Die mittels digitaler Technik erstellte Dokumentation soll

  1. die langfristige und barrierelose Verfügbarkeit der Foto-/Videodokumentation wie auch der dazugehörigen Metadaten,
  2. die stabile Zitierbarkeit der einzelnen Erdteilallegorien mittels Permalinks gewährleistet werden.

Die eigentliche heuristische Aufbereitung findet innerhalb einer speziell entworfenen Hypermediaumgebung statt, die einerseits jedes Objekt

  1. über eine detaillierte Bildbeschreibung nicht nur textlicher Art, sondern vor allem visuell durch Markierung von Bilddetails und von komplexen Kompositionsschemata,
  2. über die Integration von Einblick- und Überblickfotos zur Verdeutlichung der räumlichen Bezugs- und Wahrnehmungsnetze,
  3. über Angaben zum Entstehungskontext, restaurative Zeitschichten, Primärquellen, Bibliografie

zugänglich macht; andererseits diese in ihrer Gesamtheit mittels des IconClass-Systems und Hyperlinks miteinander verknüpft. Ziel, anders als bei bisherigen Digitalisierungs- oder Vernetzungsprojekten, soll nicht lediglich das Verfügbarmachen eines großen Datenpools sein, sondern es soll vorrangig eine Datenbank entstehen, die die Fülle eines ansonsten nur schwer zugänglichen Quellenkorpus so aufbereitet, dass der (die) Benutzer(in) wesentliche Einblicke in Präsenz, Gemeinsamkeiten, Unterschiede sowie in die historisch funktional-kommunikative Rolle der Ikonografie der Erdteile innerhalb des Untersuchungsgebiets gewinnt.

 

UNTERSUCHUNGSZEITRAUM:

Dieser zieht sich vom Ende des 16. Jahrhunderts bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, wobei der Schwerpunkt im 18. Jahrhundert liegt. Sowohl die früheste als auch die späteste Erdteilallegorie findet sich auf dem Gebiet Südtirols:

  • 1583 malte der italienische Künstler Pietro Maria Bagnadore im zweiten Stock des Schlosses Velthurns die Vier Erdteile. Als Vorlage diente ihm die Kupferstichserie nach Dirk Barendsz, verlegt von Jan Sadeler dem Älteren aus dem Jahr 1581.
  • Die letzte Erdteilallegorie, die noch als nachbarockes Beispiel berücksichtigt wird, stammt aus dem Jahr 1858. Sie wurde im Chor der Albeinser Pfarrkirche Hl. Hermagoras und Fortunatus von einem unbekannten Künstler gemalt.
 

UNTERSUCHUNGSGEBIET: 

Als Untersuchungsgebiet fungiert der südliche Teil des Heiligen Römischen Reiches, der als der Raum mit der höchsten Barockdichte einhellig in der Forschung angesehen wird. Als wesentliche Grenze nach Norden ist der Main und und das Erzgebirge bezeihungweise auf polnischer Seite das Katzengebirge anzusehen. Im Fokus unserer Untersuchung standen Süddeutschland, Österreich und Südtirol. Die Tschechische Republik und Schlesien mussten aus praktischen Gründen zum gegenwärtigen Zeitpunkt ausgeschlossen werden.

 

EINSCHRÄNKUNGEN:

Neben der Ikonographie der Erdteile galt als ein weiteres Einschränkungskriterium das der räumlichen Verankerung. Gemeint sind damit Darstellungen auf räumlich verankerten Bildträgern wie

  1. Wand-Deckenmalerei
  2. Stuckdekoration
  3. Skulptur
  4. Kacheln und
  5. Gemälde

Zu den letzten drei muss einschränkend festgehalten werden, dass diese nur berücksichtigt wurden, sofern sich sie noch an ihrem ursprünglichen Ort befinden. Konkret ging es somit um Anbringungsorte innerhalb von Schlössern, KlösternStadtpalais, Bürgerhäusern, Gärten, öffentlichen Plätzen und vor allem Kirchen.

NICHT ERFASST:

  • Von einer systematischen Erfassung sind folglich mobile Artefakte wie Fayencen, Buchillustrationen, illustrierte Karten und Atlanten, Druckgrafiken in Zeitschriften, Terrakottafiguren zur Aufstellung in Wohnräumen u. v. m. ausgeschlossen. Denn in den seltensten Fällen befinden sich Erdteilallegorien auf beweglichen Bildträgern noch in dem Umfeld, für das sie geschaffen wurden. Hierdurch ist es – wenn überhaupt – zum Teil nur über ein umfangreiches Quellenstudium möglich, ihre Provenienz zu rekonstruieren. Anders verhält es sich bei räumlich verankerten Erdteilallegorien, die sich durch die Tatsache der stabilitas loci auszeichnen. Für die Nachvollziehbarkeit der Beteiligten potenzieller Diskurse bedarf es der Rekonstruktion des sozialen und kulturellen Entstehungskontextes sowie der räumlichen und funktionalen Rezeptionsbedingungen.
     
  • Nicht ausgeführte Entwürfe zu Ausstattungsprogrammen bleiben unberücksichtigt, da sie nur äußerst beschränkt und wenn überhaupt tiefergehende Einblick in die historisch funktional-kommunikative Rolle der Ikonografie geben würden. 
     
  • Nicht besuchte Erdteilallegorien – Innerhalb der Projektlaufzeit konnten nicht alle gefundenen Erdteilallegorien besucht werden. Eine Liste dieser findet sich unter den FAQs > Vollständigkeit.

AUSNAHMEN (Sie sind in der Datenbank mit einem Sternchen * gekennzeichnet):

  • Vorbildwirkung – Darstellungen auf mobilen Bildträgern werden zum Teil im Sinne einer möglichen ikonografischen Vorbildwirkung fallspezifisch herangezogen und entweder aufgenommen oder, sofern digital im Netz vorhanden, durch einen Permalink verlinkt.  
     
  • Transferierte Erdteilallegorien – In Ausnahmefällen wurden auch Erdteilallegorien mitaufgenommen, die entweder von einem Gebäude zu einem anderen oder innerhalb eines Gebäudes transferiert wurden. Im Falle eines Ortswechsels beschränkt sich dies auf fest mit der Architektur verankerte Objekte (siehe hier die Fresken von Schloss Donaudorf, (heute: Laudon), aus der Kirche in Haldenwang (heute: Heimpersdorf). Der Wechsel des Aufhängeortes innerhalb desselben originären Aufstellungsortes betrifft in erster Linie Altargemälde (siehe hierzu das Hochaltarbild in der ehem. Jesuitenkirche in Bamberg, heute: Rückwand) oder das Seitenaltarbild in der Jesuitenkirche Hl. Kreuz in Landsberg am Lech (heute: Novizenchor). 
 

ERFASSUNG

Alle gefundenen Darstellungen wurden mit wenigen Ausnahmen von den ProjektmitarbeiterInnen persönlich besucht und fotografisch dokumentiert. Während Josef Köstlbauer für den österreichischen und Südtiroler Raum zuständig war, zeichnet Marion Romberg für die Anbringungsorte in Süddeutschland verantwortlich. Die Vorortbegehungen fanden zwischen 2011 und 2015 statt. 

Innerhalb der Projektlaufzeit konnten nicht alle gefundenen Erdteilallegorien besucht werden. Eine Liste findet sich unter den FAQs > Vollständigkeit.